EDIFACT
Auch: UN/EDIFACT · EDIFACT-Nachricht · EDI-Format
EDIFACT ist ein international standardisiertes Format für den elektronischen Austausch strukturierter Geschäftsdaten. Nachrichten wie Bestellungen, Lieferavise oder Rechnungen folgen einer fest definierten Syntax; welche Felder ein Geschäftspartner tatsächlich verwendet und erwartet, wird in der jeweiligen Implementierungsrichtlinie festgelegt.
Was es ist
EDIFACT steht für „United Nations Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport“. Die Syntax ist in ISO 9735 standardisiert; die UN/EDIFACT-Verzeichnisse werden unter dem Dach von UN/CEFACT gepflegt.
Eine EDIFACT-Nachricht ist eine strukturierte Textdatei. Sie besteht aus Segmenten mit festgelegten Kennungen, zum Beispiel BGM für Dokumentinformationen, DTM für Datums- und Zeitangaben, NAD für Beteiligte oder LIN für Positionen. Die einzelnen Segmente enthalten wiederum definierte Datenelemente.
Servicesegmente strukturieren die Übertragung: UNB und UNZ begrenzen einen Interchange, UNH und UNT eine einzelne Nachricht. Der Nachrichtentyp legt fest, welche fachliche Bedeutung die Nachricht hat, zum Beispiel ORDERS für Bestellungen, DESADV für Lieferavise oder INVOIC für Rechnungen. Zusätzlich wird eine Verzeichnisversion wie D.96A oder D.01B verwendet.
In einzelnen Branchen existieren darauf aufbauende Anwendungsempfehlungen. Ein bekanntes Beispiel ist EANCOM im Handel. In der Automobilindustrie werden neben EDIFACT auch VDA- und Odette-Spezifikationen beziehungsweise -Verfahren eingesetzt. EDIFACT definiert dabei das Nachrichtenformat, nicht den Übertragungsweg; dafür kommen beispielsweise AS2, OFTP2 oder SFTP zum Einsatz.
In der Praxis
Der Standard allein reicht für eine produktive Anbindung nicht aus. Viele Segmente und Datenelemente sind optional oder unterschiedlich verwendbar. Geschäftspartner legen deshalb in Implementierungsrichtlinien fest, welche Felder sie benötigen, welche Codelisten gelten und welche fachlichen Regeln einzuhalten sind.
Zwei Kunden können deshalb beide „EDIFACT ORDERS D.96A“ verlangen und dennoch unterschiedliche Mappings benötigen. Die eigentliche Integrationsarbeit besteht darin, diese Vorgaben sauber auf das ERP-, TMS- oder Lagerverwaltungssystem abzubilden.
Dazu gehören nicht nur Feldzuordnungen. Mengeneinheiten müssen gegebenenfalls umgerechnet, Partner- und eigene Artikelnummern zugeordnet, Datumsangaben vereinheitlicht und fachliche Plausibilitäten geprüft werden. Vor dem Produktivstart werden Nachrichten üblicherweise gemeinsam mit dem Geschäftspartner getestet und fachlich freigegeben.
Wir integrieren die Verarbeitung so, dass die Nachricht möglichst direkt in den bestehenden Geschäftsprozess einfließt. Fehlerhafte oder nicht eindeutig verarbeitbare Nachrichten werden protokolliert und zur Klärung bereitgestellt.
Wann es Sie betrifft
EDIFACT begegnet mittelständischen Unternehmen häufig dann, wenn größere Kunden oder Lieferanten strukturierte elektronische Nachrichten verlangen. Besonders verbreitet ist das in Handel, Industrie, Automotive und Logistik.
Für die Aufwandsschätzung sind drei Punkte entscheidend: die geforderte Nachricht und Version, die Implementierungsrichtlinie des Geschäftspartners sowie die Datenqualität im eigenen System. Eine konkrete Implementierungsrichtlinie und ein oder zwei Beispieldateien liefern deshalb wesentlich mehr Aussagekraft als eine allgemeine Beschreibung des EDIFACT-Standards.